Die Geschichte von der Schnecke, die das Land des Glücks sehen wollte // Der Weg ist das Ziel!

Die Geschichte von der Schnecke
die das Land
des Glücks sehen wollte

Da war eine Schnecke, die hatte gehört, dass hinter dem Berg das Land anfing,
wo das Glück wohnte. Dort wollte sie hin. Ihre Freundinnen lachten sie aus,
denn die Schnecke wohnte mehr als zehn Meter von dem Berg entfernt.
Doch die Schnecke kroch los, liess sich nicht beirren von dem, was die
anderen sagten, kroch und kroch. Schaffte manchmal drei Zentimeter am Tag,
manchmal zehn. Hinterliess immer eine Schleimspur am Boden und erzählte
allen: „Ich geh in das Land hinter dem Berg. Da wohnt das Glück.“
Sie sang Lieder vom Glück, die sie selbst gemacht hatte, denn sie wusste,
wenn man singt, dann kriecht sich`s besser.
Nachts träumte sie vom Glück. Wenn sie gut geträumt hatte, konnte sie ein
bisschen schneller kriechen. Aber es gab auch Nächte, da träumte sie schlecht.
Träumte, dass ein grosser Fuss käme und sie zerträte: krak, krak. Und keiner
würde etwas merken und alles, die ganze Reise hinter den Berg, würde ein
Traum bleiben.
Aber auch wenn sie schlecht geträumt hatte, kroch sie weiter, hinterliess ihre
Schleimspur. Bald sagten einige schon bei deren blossem Anblick:
„Das ist die Glücksspur; die Spur von der Schnecke, die über den Berg will
und die das Glück sucht.“
Eine Schnecke fragte, ob sie mitkommen könne. Sie sei soeben aus der
Winterstarre erwacht und das Land hinter dem Berg sei lange schon ihr
Traum. So krochen sie zu zweit, bald schon zu dritt dann zu ganz vielen.
Sie erzählten sich Geschichten von dem Land hinter dem Berg. Aber es war
noch weit, weit und hoch hinauf. Da sangen sie Kriechlieder, ließen sich von
ihren Liedern und Träumen immer weiter und weiter ziehen, dem Glücksland entgegen.
Da kam ein Hund. So ein armer Hund. Fragte die Schnecken, was sie denn
wollten. Sie redeten erst alle durcheinander, aber dann sagte die eine, sie
wolle in das Land hinter dem Berg, weil da das Glück wohne.
„Mmh“, machte der Hund, denn er war schon hinter dem Berg gewesen.
„Das Glück soll da wohnen?“, fragte er noch einmal sicherheitshalber. Und
dann schüttelte er den Kopf. „Das wohnt da nicht. Das Glück nicht.“ Er
überlegte. „Oder meint ihr den Frühling, der jetzt einzieht? Wenn der
kommt, ist es in dem Land hinter dem Berg besonders schön. Da kann man
dort schon glücklich sein.“
„Vielleicht“, gaben die Schnecken zurück, denn sie kannten ja das Land hinter
dem Berg noch nicht.
„Wenn ihr das Land des Frühlings meint“, sagte der Hund“, das ist dort
gerade. Da ist Sonne, Wind, Regen, frisches Grün.“
„Und Kohlköpfe?“, fragte eine Schnecke.
„Ja, Kohlköpfe meinetwegen auch, später allerdings“, sagte der Hund. „Im
Sommer, im Herbst.“
„Da ist der Frühling nicht immer?“, wollte eine Schnecke wissen.
„Nein“, antwortete der Hund. „Der Frühling oder das Glück oder wie du es
nennst, ist da nicht immer. Das wechselt. Überall. Frühling, Sommer, Herbst
und Winter. Glück und Unglück.“
„So, so!“, sagten die Schnecken. Da sie aber gerade oben auf dem Berg
angelangt waren, blickten sie jetzt genau in das lichtdurchflutete Tal.
„Das hab ich gemeint!“, sagte die erste Schnecke.
„Ja, ja, ja“, maulte der Hund. „Aber denkt dran, das vergeht. Und wenn dann
die Winterstarre wieder da ist, dann kannst du das Glück nur in dir haben…“
Sprach`s und rannte davon, der Hund.
„Er ist eben schneller“, sagte eine Schnecke. „Aber dafür sieht er nicht das,
was wir jetzt sehen. Er rennt an allem, husch, vorbei.“
„Armer Hund!“, meinte eine andere Schnecke.
„Dummer Hund“, sagte eine dritte.
„Kluger Hund!“, lobte die erste Schnecke, denn sie hatte verstanden, was der
Hund gemeint hatte. Das Glück findet man nicht aussen in einem Land. Man  findet es nur innen – in sich selbst.
Und dann sang sie ein Kriechlied vom Glück, denn wenn man singt, kriecht es
sich besser.

@ Elisabeth Zöller

 

Nach Glück und Erfüllung unserer Träume sehnen wir uns alle. Und wir alle wissen, dass es weder selbstverständlich noch einfach ist. Aber man darf sich auf den Weg machen, sei er auch noch so lang, um gute Gefühle zu sammeln und Träume zu verwirklichen. Erfahrungen machen, Ängste und Sorgen überwinden. Wegbegleiter sind wertvolle Menschen, die uns anspornen und auffangen. Manchmal kommt man nur langsam voran, aber man sollte das Ziel vor Augen behalten und den Glauben an das Erreichen des Ziels nicht verlieren. Und oft gilt dabei: „Der Weg ist das Ziel.“ Mut zu Veränderungen und viele schöne Momente sammeln sich in der Seele und im Herzen. Eure Alexandra 

 

Mundwerk Blog Kurzgeschichte über das Glück

 

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Alexandra Walter

Geboren September 1974 in Straubing / Niederbayern, beruflich selbständig in der Werbebranche, geschieden, keine Kinder, Hundemama, Hobbyfotografin, Hobbyschreiberling, weltoffener Daueroptimist :-)

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