Wie der kleine Haifisch Freunde fand – Eine Geschichte über Freundschaft, Mut, Tolzeranz, Mitgefühl und Vertrauen

// Wie der kleine Haifisch Freunde fand //

 

Eine Parabel über Freundschaft, Mut, Toleranz, Mitgefühl und Vertrauen – von Nancy McDonnell

 

Es war einst im Indischen Ozean, da verabschiedete sich ein kleiner Weißspitzenriffhai von seiner Mutter und zog ins weite Meer hinaus.

Er zog von Riff zu Riff und erfreute sich an den vielen bunten Korallen und den vielen bunten Fischen, die dort zu Hause waren.

Doch schon bald war es ihm zu langweilig so allein, und er beschloss, sich einen Freund zu suchen. Er fragte alle kleinen Riffhaie, denen er begegnete, doch die lachten nur über ihn und riefen: „Wir bleiben lieber allein, dann müssen wir die Beute auch nicht teilen!“

Das machte ihn sehr traurig und so zog er allein weiter, bis er einen Thunfisch traf. Warum sollte dieser nicht mein Freund sein, überlegte er und fragte ihn daraufhin. Doch der Thunfisch antwortete nur: „Deine Zähne sind schärfer als meine und wenn du Hunger hast, wirst du mich einfach fressen!“

Als Nächstes begegnete ihm ein Zackenbarsch und er fragte auch ihn, ob er sein Freund sein wolle. Aber dieser sagte: „Du bist viel größer als ich, und wenn du Hunger hast, wirst du mich einfach fressen!“

Daraufhin traf er einen Fledermausfisch und fragte wieder. Doch dieser antwortete: „Du schwimmst viel schneller als ich, und wenn du Hunger hast, wirst du mich einfach fressen!“

Der kleine Hai wurde noch trauriger, doch aufgeben wollte er noch nicht. Am nächsten Tag traf er einen Kugelfisch und fragte auch diesen: „Kugelfisch, willst du mein Freund sein?“ Aber der saugte sich sofort voller Wasser bis er rund wie ein Ball war und rief: „Wenn ich mit dir spiele, verliere ich all meine anderen Freunde!“

So schwamm der kleine Hai alleine weiter und begegnete einem Kofferfisch. „Kofferfisch, willst du mein Freund sein?“ „Nein, du bist zu klug. Gegen dich würde ich beim Spielen immer nur verlieren!“

Der kleine Weißspitzenriffhai verstand die Welt nicht mehr und als er einen kleinen Rotfeuerfisch auf einem Korallenblock sitzen sah, wollte er es ein letztes Mal versuchen. „Hallo Rotfeuerfisch, willst du mein Freund sein?“ Doch dieser stellte sofort seine giftigen Stacheln an den Rückenflossen auf und sagte: „Ich sitze lieber auf meinen Korallen, anstatt mit dir zu schwimmen!“

Nun hatte der kleine Hai endgültig genug und beschloss, nie wieder jemanden zu fragen.

Da kam eine Gold-Makrele vorbeigeschwommen. „Hey kleiner Hai, warum bist du so traurig?“, fragte sie ihn besorgt. Der kleine Hai schwamm etwas näher und antwortete: „Ich bin nur traurig, weil niemand mein Freund sein will. Sie haben Angst, weil sie glauben, ich sei in allem besser und stärker als sie. Doch anstatt von mir zu lernen, drehen sie mir lieber den Rücken zu.“

Die Gold-Makrele hatte Mitgefühl mit dem Hai. Sie war fast so groß wie er und eine der schnellsten Schwimmerinnen im Ozean. Sie hatte keine Angst vor ihm.

Und so kam es, dass der kleine Weißspitzenriffhai und die Gold-Makrele unzertrennliche Freunde wurden. Sie spielten zusammen im Sand, versteckten sich in Riffhöhlen und gingen gemeinsam auf Beutejagd, wobei sie viel voneinander lernten. Manchmal machten sie ein Wettschwimmen, und dann sah es oft so aus, als würde die Makrele den Hai verfolgen.

Wenn die anderen das sahen, schauten sie amüsiert zu und die Hälse der im Sand steckenden Röhrenaale wurden immer länger. Doch dann erkannten alle den kleinen Hai an der weißen Spitze seiner Rückenflosse und begriffen, dass er eine Freundin gefunden hatte.

 Sie hörten auf zu lachen, bis die böse Moräne, die ihren langen, schlangenförmigen Körper in einer Höhle versteckt hielt und nur ihr spitzes Maul in die Höhe reckte, mit tiefer Stimme zu brüllen begann: „Die spielt nicht mit dem Hai, die spielt mit ihrem Leben!“

Ihr Gebrüll schallte durchs ganze Wasser und wurde von allen Meeresbewohnern gehört. Auf einmal begann ein riesengroßes Gelächter.

Die Fledermausfische lachten, bis sich ihre Flossen krümmten.

Die Kofferfische lachten, bis sie sich wie Hubschrauber aufgeregt um die eigene Achse drehten.

Die Kugelfische wurden immer runder und platzten fast vor Lachen.

Und die Rotfeuerfische färbten sich vor lauter lachen dunkelrot, bis sie fast wie kleine Teufel aussahen.

Doch was war das! Neugierig geworden durch das Geschrei kam plötzlich ein grauer Riffhai vorbei. Er war sehr hungrig und freute sich zu sehen, wie unaufmerksam all die anderen Meeresbewohner waren. Sie lachten so sehr über die Gold-Makrele und den kleinen Hai, dass sie nicht mehr daran dachten, vorsichtig zu sein. So leichte Beute hatte der graue Riffhai bei Tageslicht noch nie gehabt, und gerade, als er sich den Thunfisch schnappen wollte, rief der kleine Weißspitzenriffhai: „Passt auf!“

In letzter Sekunde konnten sich alle in kleine Höhlen in Sicherheit bringen, doch als der große Hai wieder verschwunden war, trauten sie sich nicht mehr heraus. Sie schämten sich für ihr Gelächter und dafür, dass sie mit dem kleinen Hai nie Freundschaft schließen wollten. Sie dachten immer nur daran, dass er sie fressen könne, und nun hatte er ihnen das Leben gerettet.

Die Gold-Makrele dagegen brauchte sich nicht zu verstecken, denn sie wusste, dass ihr großer Freund sie immer beschützen würde. Und als die beiden weiterziehen wollten, rief der Thunfisch zu dem kleinen Hai: „Ich weiß, wir waren ungerecht zu dir. In Zukunft wollen wir niemanden mehr verurteilen, bevor wir ihn nicht kennengelernt haben. Bitte bleibt hier und werdet unsere Freunde!“

Und so kam es, dass der kleine Hai am Ende nicht nur einen, sondern viele Freunde hatte. Ab diesem Tag war er nie mehr allein.

 Ende

 

Freundschaften finden, schließen und behalten ist eine ständig begleitende Thematik in unserem Leben. Von klein auf bis ins hohe Alter. Freunde kommen und Freunde gehen. Das ist der natürliche Weg und ist den sich ständig veränderten Parametern geschuldet.

Freunde, die einen nicht mehr begleiten, haben wunderbare Erinnerungen hinterlassen. Dieser Aspekt ist viel wichtiger, als den Fragen nach dem Warum um den Bruch oder das Einschlafen einer Freundschaft hinterher zu jagen. Es war mal Freundschaft und darf einen warmen Platz behalten. Alles andere wäre schade. Deckel drauf, Schleife binden und nach vorne schauen. Neue Menschen warten! 

Freunde, die da sind und einen begleiten, sind schlicht und ergreifend ein Teil des täglichen Glücks. Sie zu haben ist Herzwärme, Lebenslust, Vertrauen und Verlass. Sie bleiben, solange es sich gut anfühlt. Bleiben, wenn es richtig ist. Gehen, wenn die Veränderung es verlangt. Jeder Freund hinterlässt Spuren und ein Lächeln im Herzen. Menschen, die aufrichtig sind und Freundschaften mit Händen tragen, bleiben ein Leben lang – ohne Wenn und Aber! 

 

Freundschaft ist wie Magie

die gute Zeiten noch besser macht

und schlechte Zeiten

vergessen lässt.

 

 

Weil das Thema der Geschichte gut passt, hab ich euch eine Galerie mit Bildern von meinen Tauchreisen zusammengestellt.  Wunderbare Erinnerungen an tolle Tauchgänge in Ägypten, Tobago und Thailand. 

 

 

 

Hier noch Seiten mit sehr schönen Unterwasserfotos: Unterwasserfoto  /  fotocommunity Unterwasser 

 

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Alexandra Walter

Geboren September 1974 in Straubing / Niederbayern, beruflich selbständig in der Werbebranche, geschieden, keine Kinder, Hundemama, Hobbyfotografin, Hobbyschreiberling, weltoffener Daueroptimist :-)

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